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NEWSLETTER 3/20

20.05.2020

KOMMENTAR

KOMMENTAR

Wird 2020 eine „Diktatur der Wissenschaft“ errichtet?

Die Pandemie als Zumutung: Widerspruch ist einzufordern und anzuhören

„Am 12. Oktober, dem Tag, an dem sich die eleganten Gäste des Clubs dos Diàrios (Rio de Janeiro, Anm.) mit Grippe infizierten, äußerte das Satiremagazin ‚Careta‘ die Befürchtung, die Behörden würden die Gefährlichkeit dieser Krankheit, die doch nur ein limpa-velhos war – also nur die alten Menschen dahinraffte -, übertreiben, um eine ‚Diktatur der Wissenschaft‘ errichten und die Bürgerrechte mit Füßen treten zu können.“ Was Laura Spinney in ihrem Buch „1918 – die Welt im Fieber“ beschreibt, liest sich heute fast wie ein Blick in unsere Zeit.

Entscheidungsgrundlagen. Der Wissenschaft wurden in den letzten Monaten geradezu prophetische Fähigkeiten zugebilligt und teils auch zugemutet. Wissenschaftliche Expertisen waren die Grundlage für politische Entscheidungen mit gravierendsten wirtschaftlichen, sozialen und bildungspolitischen Folgen. Dabei wurde gerade am Anfang oftmals übersehen, dass einzelne Disziplinen wie die Virologie, Epidemiologie oder auch Mathematik naturgemäß nur einen Teil der Wirklichkeit abbilden. Umgekehrt sollten wir aus der Corona-Krise auch lernen, gegenüber Politik und Gesellschaft noch viel deutlicher zu machen, was eine einzelne Disziplin leisten kann und wo ihre Grenzen sind. Darüber hinaus braucht es auch mehr Klarheit über Kompetenz und Verantwortung von Wissenschaft einerseits und Politik andererseits.

Im JKU Corona Update haben wir uns während der Corona-Krise mit Wissenschaft aus verschiedenen Blickwinkeln beschäftigt. Mit Mediziner*innen, Ökonom*innen, Bildungswissenschaftler*innen, Philosoph*innen, Naturwissenschaftler*innen und Techniker*innen. Denn wie einer der Gäste der Johannes Kepler Universität Linz gesagt hat: „Noch nie in der Geschichte ist ein Virus auf eine so vorbereitete Gesellschaft gestoßen.“ Das wirft aber auch viele Fragen auf: Es mag virologisch und epidemiologisch richtig sein, in Altersheimen Menschen in ihren Zimmern wochenlang zu isolieren. Aber ist es sozial die Antwort, die man einer 97-jährigen Frau gibt, die nicht verstehen kann, warum sie ihre Zimmernachbarin nicht wie gewohnt auf einen Kaffee am Nachmittag treffen kann?

Gesellschaftliche Verantwortung. Die Corona-Krise führt uns zwei Dinge messerscharf vor Augen: Erstens, dass Wissenschaft eine enorme gesellschaftliche Verantwortung hat. Universitäten stehen hier zu Recht in der ersten Reihe. Zweitens zeigt uns diese Krise aber auch: Wissenschaftliche Erkenntnis und wissenschaftlicher Fortschritt leben nicht von der Zustimmung allein. Es sind der Diskurs, das Hinterfragen, auch das Infragestellen der eigenen Ergebnisse, die unsere Forschungsergebnisse erst gesellschaftlich relevant machen. Konstruktiver Widerspruch ist wissenschaftliche Pflicht. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat zu Beginn dieser Krise davon gesprochen, dass die Pandemie eine „demokratische Zumutung“ ist. In gewisser Weise ist sie auch eine wissenschaftliche Zumutung. Und deshalb gelten Merkels Worte für unsere Demokratie genau wie für unsere Wissenschaft: „Eine solche Situation ist nur akzeptabel und erträglich, wenn Kritik und Widerspruch nicht nur erlaubt, sondern eingefordert und angehört werden.“

Rektor Meinhard LUKAS

Universität Linz

INLAND

„Der digitale Transformationsprozess hat an allen Universitäten eine Beschleunigung erfahren.“ So lautete der Befund von Sabine Seidler, Präsidentin der Universitätenkonferenz (uniko), am 7. Mai anlässlich der gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundesminister Heinz Faßmann im Wissenschaftsministerium. Die gewonnene Erfahrung aus siebeneinhalb Wochen im „Coronamodus“ habe auch bestätigt: „Andere Formen des Lehrens erfordern andere Investitionen. Digitale Lehre ist definitiv kein Sparmodell“, hielt Seidler fest.

Mit einem Appell an die Bundesregierung, „mit voller Kraft in die Wissenschaft zu investieren“, meldete sich am 4. Mai die Allianz österreichischer Wissenschaftsorganisationen, darunter die uniko, Wissenschaftsfonds und IST Austria, zu Wort. „Niemand weiß im Detail, welche Krise die nächste sein wird – aber je mehr exzellente Forschende in Österreich tätig sind, desto besser werden wir die Krise in den Griff bekommen und eventuell auch abwenden können“, heißt es in dem Schreiben. Seitens der uniko weist Präsidentin Sabine Seidler darin auf die hohe Verantwortung der Wissenschaft hin und erklärt: „Wir beobachten, dass wissenschaftliche Expertise bei den Entscheidungen der Politik und bei der Information der Öffentlichkeit einen bisher nicht dagewesenen Stellenwert hat. Gleichzeitig sehen wir aber auch, dass die Bewältigung der Krise das Zusammenwirken verschiedener Wissenschaftsdisziplinen bedingt.“

INTERNATIONALES

Leigh Turner, der britische Botschafter in Österreich, pflegt nach eigener Aussage enge Kontakte zu den heimischen Universitäten und ihren Leitungen. „Wann immer ich eine Stadt besuche, halte ich gerne einen Vortag an einer Universität“, erzählt Turner im Interview für den uniko-Jahresbericht 2019. „Da kann ich den Studierenden etwas von Großbritannien und zur Diplomatie erzählen – auch über die Bedeutung, dass Absolventen verschiedener Studien in den diplomatischen Dienst gehen.“

PUBLIKATION

Wie kam es dazu, dass sich gegen Ende des 20. Jahrhunderts einige Repräsentanten und Repräsentantinnen europäischer Staaten für eine länderübergreifende Hochschulreform ihrer Universitäten aussprachen? Wie kam es zur Sorbonne Deklaration (1998)? In welchem Verhältnis stehen das Universitätsgesetz 2002 und die Bologna-Reform? In dem aktuellen Buch Die Bologna-Reform: „Policy Making“ in Europa und Österreich von Elisabeth Westphal, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Universitätenkonferenz (uniko), werden Antworten auf oben gestellte Fragen gegeben. Westphals Aufarbeitung zeigt, dass manchmal auf europäischer Ebene das Unvorstellbare geschehen kann.

uniko INTERN

uniko INTERN

Forum Digitalisierung: Claudia von der Linden als Vorsitzende gewählt

Mit 20. April 2020 wurde in der Universitätenkonferenz (uniko) das Forum Digitalisierung gegründet, bei der Plenarversammlung am 4. Mai wurde Claudia von der Linden, Vizerektorin der TU Graz, zur ersten Vorsitzenden des Forums bestellt. In dem neuen Forum sind alle für den Bereich Digitalisierung zuständigen Vizerektorinnen und Vizerektoren der öffentlichen Universitäten vertreten. Zu den Aufgaben des Forums zählen die operative und strategische Abstimmung zwischen den Universitäten, Entwicklung strategischer Konzepte im Bereich Digitalisierung, Informationsaustausch mit den wichtigsten Stakeholdern, Stellungnahmen und Empfehlungen sowie die politische Vertretung der Universitäten in einschlägigen nationalen und internationalen Gremien. Das Forum Digitalisierung wird in der uniko-Geschäftsstelle von Clemens Unterberger, zuständig für Budget und Ressourcen, betreut.

ZITAT DES MONATS

„Wir werden uns wieder umarmen und auch abbusseln.“

Markus Müller, Rektor der Medizinischen Universität Wien und Mitglied in der Corona-Taskforce der Bundesregierung, im Interview mit der KRONE am Sonntag, 10. Mai 2020, auf die Frage: Werden wir uns in fünf Jahren wiederumarmen?

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