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Newsletter 3/2022

03.05.2022

KOMMENTAR

Fokus Klimawandel: Das Zeitfenster ist noch einen Spalt offen

Spätestens seit dem Bericht des Weltklimarats (IPCC) liegen die ohnehin längst bekannten naturwissenschaftlichen Fakten auf dem Tisch: Uns bleibt nur noch ein kleines Zeitfenster, um die Klimakatastrophe zu verhindern. Die Universitäten sind auf dem Weg zur Klimarettung und zu einer nachhaltigeren Gesellschaft Vorreiterinnen und Impulsgeberinnen und die BOKU als die Nachhaltigkeitsuniversität in Österreich sieht sich bei den Themen Klimaschutz und Sustainability in einer besonderen Verantwortung.

Zu den brennenden Problemen, die mit der Klimakrise einhergehen und die wir bereits jetzt zu spüren bekommen, wie Extremwetterereignisse, Trockenheit oder Ernteausfälle – im heimischen wie im globalen Kontext – wird an der BOKU bereits seit vielen Jahren geforscht. Ich sehe unsere Verantwortung aber auch darin, die Begriffe Klimaschutz und Nachhaltigkeit, die uns mittlerweile allen so leicht über die Lippen gehen, inhaltlich mit exzellenter Forschung und innovativer Lehre zu besetzen. Daher steht auf meiner Prioritätenliste die Etablierung eines Studiums mit dem Fokus Klimawandel ganz oben.

Die Folgen der menschengemachten Klimaveränderung werden wir nur mit einer ganzheitlichen Herangehensweise abfedern können. Die Inter- und Transdisziplinarität, die seit 1872 fest in der DNA der BOKU verankert ist und sich in allen Studienrichtungen wiederfindet, kann hier als Beispiel für eine geeignete Zugangsweise zu komplexen Fragestellungen wie Klimaschutz, Biodiversität und Nachhaltigkeit dienen. Wir geben damit unseren Studierenden fundierte Werkzeuge mit, die es ihnen ermöglichen, genau diese holistischen Lösungsansätze zu entwickeln. Durch das Drei-Säulen-Prinzip der BOKU-Studien – Naturwissenschaften, Technik und Sozioökonomie – sind unsere Absolvent:innen in der Lage, an den Schnittstellen unterschiedlicher Disziplinen zu arbeiten. Denn wir müssen uns bewusstmachen, dass wir die Transformation in Richtung einer nachhaltigen, zukunftsfähigen Gesellschaft und Wirtschaft nur mit einem fächer- und disziplinenübergreifenden Mindset schaffen werden.

Generell leisten Technik und Naturwissenschaften ganz wesentliche Beiträge zur Sicherung unserer Zukunft. Aber wir erkennen gerade jetzt, dass der Druck auf die Wissenschaft zunimmt und die Freiheit der Wissenschaft in Gefahr kommt. Sowohl der Klimawandel als auch die Pandemie sind Beispiele für diese Entwicklung, der entschieden entgegenzutreten ist. Wir müssen der Forschung, insbesondere der Grundlagenforschung Zeit und Freiheit geben, wenn wir fundierte Ergebnisse erwarten. Wir haben in der Verfassung das Grundrecht auf Wissenschaftsfreiheit verankert und das muss gewahrt blieben. Diese Freiheit berechtigt uns aber auch, die Politik dort, wo es notwendig ist, gut zu beraten – wie etwa beim Thema Klimawandel.

Die Wende in der Energiewende verhindern

Nicht zuletzt unerwartete Ereignisse wie der Angriff Russlands auf die Ukraine führen uns deutlich vor Augen, wie dringend wir den Ausstieg aus fossiler Energie zugunsten erneuerbarer Energiequellen vorantreiben müssen. Es bleibt zu hoffen, dass es im Licht der jüngsten geopolitischen Ereignisse nicht zu einem Ausstieg aus dem Ausstieg kommt und Kohle wieder als Alternative zur derzeitigen Abhängigkeit von russischem Öl und Gas betrachtet wird, sondern dass der Ausbau erneuerbarer Energie endlich die notwendige Beschleunigung erfährt. Denn die jüngste Diskussion, ob mithilfe von Atomkraft die Ziele des EU-„Green Deal“ rascher erreicht werden können, hat gezeigt, dass auch vermeintlich veraltete Technologien zur Energiegewinnung plötzlich das grüne Mäntelchen umgehängt bekommen.

Als Umweltjuristin ist es mir wichtig, darauf hinzuweisen, dass bei Klimaschutz in den vergangenen Jahren die Frage nach einem geeigneten rechtlichen Rahmen in den Vordergrund gerückt ist. Auf internationaler Ebene bräuchte es endlich verbindlichere Vereinbarungen. Das Pariser Abkommen hat bekanntlich keinen Sanktionsmechanismus, sondern ist im Wesentlichen nur eine Verpflichtung zur Selbstverpflichtung. Das geht bis in die nationalstaatliche Rechtsordnung – unser Klimaschutzgesetz wird nun reformiert und soll künftig auch einen besseren Sanktionsmechanismus beinhalten.

Individuelle Klagen als Chance

Mit Recht werden jedoch häufig ausschließlich Sanktionen, Strafen und Vorschriften assoziiert. Diese wirken aber nicht immer – Stichwort Corona, nämlich dann nicht, wenn rechtliche Rahmenbedingungen für die Menschen in ihrem unmittelbaren Leben nicht einsichtig sind. Das heißt, die besten Klimaschutzpakete werden wenig Rückhalt finden, wenn sie abstrakt bleiben. Im Rahmen einer interdisziplinären Studie zum Thema Klima und Verkehr, an der ich beteiligt war, sollten die Befragten angeben, ob sie lieber eine CO2-Steuer hätten oder ein Verbrennerverbot. Überraschenderweise war die Mehrheit für Zweiteres, obwohl es einen deutlich härteren Eingriff bedeuten würde als die sanftere Lösung einer Besteuerung. Warum? Weil dem Aspekt Fairness, also dass alle gleichermaßen betroffen wären, mehr Gewicht beigemessen wurde.

Wir brauchen andere rechtliche Instrumente, etwa individuelle Rechte, die geltend gemacht werden. In der Vergangenheit, zum Beispiel beim Luftreinhaltegesetz, hatten solche Strategien Erfolg: Österreich musste ein individuelles Recht auf Luftreinhaltung implementieren, nachdem der Europäische Gerichtshof dies anerkannt hatte. Derzeit sind drei Klimaklagen vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte anhängig. Alle drei argumentieren, grob gesprochen, mit dem Recht Einzelner. Klagen wie diese sind ausgesprochen wichtig. Meine Überzeugung ist nämlich, dass Rechte so lange nur auf dem Papier existieren, bis man sie im Einzelfall und im Konflikt erkämpft. Das gilt für uns Menschen und für das Klima gleichermaßen.

Eva Schulev-Steindl
seit Februar 2022 Rektorin der Universität für Bodenkultur Wien

 

UNIKO IN DEN MEDIEN

„Während wir angesichts der steigenden Inflation nicht wissen, wie wir unsere Stromkosten bezahlen sollen, wird eine Universität, deren Sinnhaftigkeit sich mir bis heute nicht erschließt, mit jenem Notgroschen finanziert, den wir zumindest als anteilige Kompensation der rasant steigenden Kosten dringend benötigen wurden, um unseren Betrieb aufrecht zu erhalten“, zeigte sich uniko-Präsidentin Sabine Seidler in einer Aussendung empört über den Gesetzesentwurf zur Errichtung der TU für Digitalisierung und digitale Transformation in Oberösterreich.

Das Dreijahres-Budget der Universitäten, das in den Leistungsvereinbarungen für die Periode 2022-2024 beschlossen wurde, droht von der galoppierenden Inflation aufgefressen zu werden. „Erhebliche Kostensteigerungen bei Strompreisen, Mieten und Personalkosten reißen ein riesiges Loch von rund 475 Millionen Euro in das Budget der Universitäten, so uniko-Präsidentin Sabine Seidler. Ohne einen finanziellen Ausgleich sind drastische Einschränkungen – von einem Aufnahmestopp beim Personal bis hin zu einem massiven Rückbau in zentralen Leistungsbereichen – unumgänglich.

NEWS

MORE-Projekt für MigAward nominiert

Die MORE–Flüchtlingsinitiative der uniko schaffte es unter die drei Finalisten für die Kategorie: „Bildung und Soziales“ des MigAwards 2022. Der „MigAward – Preis der österreichischen MigrantInnen“ ist der einzige Preis, der ausschließlich von Migranten und Migrantinnen vergeben wird. Er zeichnet Projekte, Initiativen und Persönlichkeiten aus, welche die Partizipation und Integration von Menschen mit Migrationshintergrund fördern und/oder innovative Ansätze in der gesellschaftlichen Entwicklung verfolgen.

EVENT

Third Mission an den Universitäten

Bei dem Workshop "Die dritte Mission der Universitäten" an der Diplomatischen Akademie, organisiert von der Österreichischen Forschungsgemeinschaft (ÖFG), ging es u.a. um folgende Fragen: Welche Erkenntnisse zur Lösung sozialer Herausforderungen produzieren Universitäten? Wie werden sie nutzbar für die Gesellschaft? Und wie können Universitäten durch Wissens- und Technologietransfer in die Wirtschaft den Wirtschaftsstandort Österreich sichern helfen? Am Podium bzw. im Publikum waren zahlreiche Rektor:innen, Vizerektor:innen und Universitätsmitarbeiter:innen vertreten. uniko-Präsidentin Sabine Seidler diskutierte am Abschlusstag zusammen mit Christiane Spiel (Uni Wien/ÖFG), Eva Schulev-Steindl (BOKU), Christoph Neumayer (IV), Elmar Pichl (BMBWF), Ulrike Prommer (FHK) und Martin Gerzabek (BOKU/ÖFG) "Die Zukunft der Third Mission in Österreich" (Fotocredit: Aleksandra Kawka; Personen v.l.n.r.).

ZITAT DES MONATS

"2012 haben schon 12 000 Wissenschaftler das Land verlassen, 2021 waren es bereits 70 000. Seit dem Kriegsausbruch sind laut Eurasianet mehr als 200 000 hoch qualifizierte Arbeitskräfte ausgereist."

Osteuropahistoriker Alexey Tikhomirov (Universität Bielefeld) im FAZ-Interview über die Auswanderung oppositioneller russischer Wissenschaftler:innen

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