Unis befürchten „Super-GAU“
Die Universitäten befürchten Einsparungen von einer Milliarde Euro im nächsten Budget und haben deshalb am Mittwoch Demonstrationen angekündigt.
20. Mai 2026 orf.at
Rektoratssprecherin Brigitte Hütter sprach bei einer Pressekonferenz von einem „Super-GAU“ für Unis, Wirtschaft und Gesellschaft.
Aus Protest steigen die Unis auch aus dem Hochschulstrategieprozess des Wissenschaftsressorts aus. Das Wissenschaftsministerium betonte einmal mehr, dass das Budget noch nicht fixiert sei. Die Unis wollen trotzdem weiter mobilisieren.
Die Zahlen seien den Unis am Montag als vollendete Tatsache vermittelt worden, beharrte Hütter, Präsidentin der Universitätenkonferenz (uniko), auf Nachfrage. „Wir sehen es aber als Beginn eines Kampfes, der sich erst so richtig formiert.“ Am nächsten Mittwoch (27. Mai) werde es eine Großdemo auf dem Ring und Aktionen in den Landeshauptstädten und an allen Unistandorten geben – gemeinsam mit Österreichischer HochschülerInnenschaft (ÖH), Gewerkschaft und Arbeitnehmervertretung. Die Aussagen des Ministeriums nehme sie zur Kenntnis. „Wir glauben es aber erst, wenn wir tatsächlich sehen, was wir bewirkt haben.“
Aus dem Prozess für die Hochschulstrategie, in dem eine Vision für Österreichs Hochschulen bis zum Jahr 2040 entworfen werden soll, sei man bereits mit sofortiger Wirkung ausgestiegen. Man nehme also an keinen Arbeitsgruppen teil und werde „sehr stark unsere eigene Position platzieren“. Denn: „Wer sich die nächsten drei Jahre nicht finanzieren kann, braucht nicht über eine Hochschulstrategie bis 2040 sprechen.“
„Dimension beispiellos“
Das Ministerium habe sie am Montag bei einem Gespräch informiert, dass es für die 22 öffentlichen Unis im nächsten Dreijahresbudget für 2028 bis 2030 inklusive Arztgehältern an Unikliniken insgesamt nur 15,5 Mrd. Euro geben soll. Das wäre um eine Milliarde weniger als in der aktuellen Leistungsvereinbarungsperiode (2025–2027). Geht es nach der uniko, würden die Unis allerdings allein zur Abdeckung der Inflation 18 Mrd. Euro benötigen, betonte Hütter. Die auf dem Tisch liegenden Zahlen würden eine Kürzung um 14 Prozent bzw. 2,5 Mrd. Euro bedeuten.
Das sei „in dieser Dimension beispiellos“. Man sehe den Einsparungsbedarf der Bundesregierung und habe das auch etwa durch niedrige Lohnabschlüsse unterstützt. Allerdings mache das Unibudget nur vier Prozent des österreichischen Gesamtbudgets aus. Dass die Universitäten nun über drei Jahre 2,5 Mrd. Euro einsparen sollen und damit ebenso viel, wie von der Bundesregierung im nächsten Doppelbudget insgesamt an Einsparung vorgesehen wurde, sei „absolut unverhältnismäßig“ und hätte fatale Folgen, warnte sie.
Neue Studiengebühren?
Die Unis müssten demzufolge 10.000 Köpfe – das ist ein Fünftel des Personals – einsparen. Die Betreuungsverhältnisse in der Lehre würden dadurch laut Hütter wieder in problematische Höhen steigen – mit Folgen wie längeren Studienzeiten samt Verschärfung des Fachkräftemangels. Als Reaktion könnten die Unis gezwungen sein, eine neue Debatte über eine Ausweitung der Studiengebühren loszutreten, stellte die uniko-Chefin in den Raum.
Gleichzeitig könnten bei großen Einsparungen weniger Forschende die dringend benötigten Drittmittel aus Fördertöpfen für die Unis abholen – und das, wo die EU die Mittel in diesem Bereich gerade verdopple. „Was jetzt mit einem Schnitt vernichtet wird, ist nur in Jahren, wenn überhaupt wieder aufholbar“, sagte sie.
Unis fürchten um Personal, Qualität und Reputation
„Da geht es ans Eingemachte“, warnte auch Uni-Wien-Rektor Sebastian Schütze vor umfangreichen Kürzungen bei Personal und Infrastruktur – mit Auswirkungen auch auf die viel geforderte Exzellenz an den Unis. Wenn die Finanzierung nicht mehr gesichert sei, seien die Topwissenschaftler weg. Der „Schaden für die Reputation“ wäre enorm.
Jens Schneider, Rektor der Technischen Universität (TU) Wien betonte auch die Folgewirkungen für den Wirtschafts- und Innovationsstandort Österreich. 80 Prozent der Patente und der wichtigsten wissenschaftlichen Publikationen kämen aus den Unis, ohne den technischen Nachwuchs aus den Unis „trocknet die Forschungspipeline aus“.
Auch auf die Gesundheitsversorgung würde eine Kürzung des Unibudgets im erwarteten Ausmaß durchschlagen, wie der Rektor der Medizinischen Universität Wien, Markus Müller, erläuterte. Die Unikliniken seien oft die einzige Anlaufstelle bei schweren und speziellen Erkrankungen. In Wien leiste das AKH alleine ein Drittel der Patientenversorgung. Auch der Großteil der Medizinabsolventen und der Fachärzte werde dort ausgebildet.
https://science.orf.at/stories/3235622/
Budget - Universitäten wollen 18 Mrd. Euro für 2028-2030
APA 24.03.2026
Die Universitäten gehen für die anstehenden Budgetverhandlungen über die Leistungsvereinbarungsperiode 2028 bis 2030 von einem Finanzbedarf von 18 Mrd. Euro aus. Das entspricht einem Plus von 1,5 Mrd. Euro gegenüber der laufenden dreijährigen Periode bzw. einer jährlichen Steigerung von knapp drei Prozent. "Wir haben konservativ geschätzt und wollen den Bogen nicht überspannen", so die Präsidentin der Universitätenkonferenz, Brigitte Hütter, zur APA.
Unis wollen "heiße Eisen" anfassen und fordern gesichertes Budget
Bei der geplanten Hochschulstrategie 2040 dürfe man "heiße Eisen nicht aussparen", hat die Vorsitzende der Universitätenkonferenz, Brigitte Hütter, am Dienstagabend beim uniko-Neujahrsempfang in Wien gefordert. Sei der Prozess ernst gemeint, müsse man über Rahmenbedingungen und Profilschärfungen reden, so Hütter, die unter anderem erneut für die Verlagerung der kompletten Lehrerausbildung an die Unis warb. Beim Budget forderte sie von der Regierung "Verlass".